Ein fiktiver Bericht über Fernwärmeme aus dem Jahre 2020 zeigt mögliche Risiken und Abhängigkeiten bei der Fernwärme auf.
In den kommenden Wochen wird das Fernheizwerk Zams demontiert.
Für uns Anlass, einen Blick zurück auf 16
bewegte Fernwärmejahre zu werfen.
Im Nachhinein weiß man alles besser. Heute zählen
zentralistische Industriestrukturen der Vergangenheit
an. Aber damals, im Jahr 2003 war alles anders.
Jedes wie auch immer geartetes Bedenken gegen diesen
Industriemoloch wurde zur Seite geschoben und durch
eine bedenkliche Allianz von Politik und Wirtschaft,
konnte ein Gutteil der Bevölkerung, zur Vertrags-unterzeichnung
gewonnen werden.
UNABHÄNGIGKEIT WAR WICHTIGER
Aber eben nur ein Gutteil. Damit das Fernwärmewerk
profitabel arbeiten hätte können, wäre
eine Anschlussdichte von 70 % nötig gewesen. Zum
Leidwesen der Unterzeichner entschieden sich doch zu
viele, für die Unabhängigkeit ihrer Wärmeversorgung.
Schlussendlich waren es nur wackere 56 % die für
das Experiment Fernwärme gewonnen werden konnten.
Trotzdem: Ab dem Frühjahr 2004 wurden unverdrossen
Straßen aufgeriessen. Ein Megastau jagte den anderen.
Kunden und Gäste blieben aus. Die Kaufmannschaft
stöhnte unter den Verlusten. Firmen sahen ihre
Gewinne im Verkehrsstillstand dahinschmelzen.
Dann kam endlich der erhoffte Winter 2004/05. Die Luft,
na ja, viel konnte man nicht spüren. Nun stanken
eben schlechte Hausbrandanlagen und die Heizfabrik gemeinsam.
Der Winter ging, der Frühling kam. Alle Heizungen
wurden abgeschaltet. Alle? Eben alle, bis auf die „eine“.
Denn die eine große Heizung, musste weiter Wärme
für ihr 27 km langes Rohrnetz und ihre gewaltigen
Pumpstationen erzeugen. Und natürlich Strom. So
fragte sich der eine oder andere „Naivling“
ob dadurch die Luft auch im Frühling, Sommer oder
Herbst besser wird und was daran so „Öko“
sei.
Der Winter 2005/06 begann mit einer unangenehmen Überraschung
für alle Fernwärmer: 56 % waren eben zu wenig
damit wirtschaftlich gearbeitet werden konnte und es
kam zur ersten Preiserhöhung. Es sollte bei weitem
nicht die letzte sein.
Die Jahre vergingen und immer mehr wurde deutlich, dass
sich das System Fernwärme auf Grund des schlechten
Wirkungsgrades von knapp über 50 % nicht bewährte.
Eine Serie von Preisanstiegen folgten. Wütende
Proteste der Kunden und heftige Diskussionen im Gemeinderat
blieben nicht aus.
GEÄNDERTE RAHMENBEDINGUNGEN
Doch all dies war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das
„Katastrophenjahr“ 2014.
Eine neue Regierung wurde angelobt. Wie alle Regierungen
zuvor bezeichnete sich auch diese als „Reformregierung“.
Tatsächlich wurde gründlich reformiert und
auch die Ökostromregelung überdacht. Verbrennungskraftwerke, zu denen auch Biomasseanlagen zählten galten als veraltet. Neue Technologien und revolutionäre Forschungsergebnisse begannen das Bild der Welt zu verändern. Photovoltaik, Brennstoffzellen, Wind... ein alter Wunsch der Menschen begann verwirklicht zu werden: Saubere Energie ohne belastende Emissionen.
SPÄTE REUE
Damit waren Fernwärme-kraftwerke schlagartig veraltet und unrentabel. Natürlich hatten die Konzerne die Zeichen der Zeit erkannt und schon vorsorglich diesen Bereich „privatisiert“. Der Kunde wurde im wahrsten Sinn
im kalten stehen gelassen.
Viele bereuten jetzt, dass sie damals jene unkündbaren Verträge unterzeichnet hatten und so ihre Unabhängigkeit aufgegeben haben. Aber das schlimmste sollte erst noch kommen.
Ein Politiker:
„Heute erscheint mir unsere blauäugige Technikverliebtheit von damals lächerlich. Aber im nachhinein weiß man eben alles immer besser“. Sprach‘s, stieg in sein wasserstoffbetriebenes Auto und fuhr davon.