Stadtwärme Lienz ging mit falschen Berechnungen auf Kundenfang

 

Das Urteil des Landesgerichts Innsbruck ist nicht weniger als eine Sensation: Erstmals wurde einem unzufriedenen Fernwärme-Kunden zugestanden, dass ihm der Fernwärme-Betreiber den Rückbau auf eine Ölheizung zahlen muss und alle Fernwärme-Zuleitungen wieder zu entfernen hat. Der einleuchtende Grund: Damals, als binnen kurzer Zeit möglichst viele Fernwärme-Anschlüsse „an den Mann“ gebracht werden mussten, wurden „nicht korrekte“, „schöngefärbte“ und „zugunsten der Fernwärme verzerrte“ (Zitate aus dem Gerichtsurteil) Berechnungen über die Kostenvorteile von Fernwärme gegenüber der Ölheizung verwendet. Das Gericht stellte jedoch ausdrücklich fest, dass zum Zeitpunkt der Anwerbung von Dr. Kolbitsch die Ölheizung deutlich günstiger war als die Fernwärme. Damit ist nun offiziell festgestellt, was viele Fernwärme-Kunden nach diversen Preiserhöhungen ohnehin wissen: Die immer wieder getrommelte angebliche Einsparung bei der Fernwärme ist ein simpler Verkaufstrick.

Was steckt hinter diesem Fall? Der Lienzer Lehrer Dr. Gerald Kolbitsch ließ sich 2001 auf Basis von Berechnungen der Stadtwärme Lienz zum Anschluss an deren Fernwärmenetz bewegen. In den rosigsten Farben wurden ihm die Einsparungen und alle möglichen Vorteile geschildert. Die Wirklichkeit war leider anders: Das Haus wurde in der ersten Heizsaison nach dem Anschluss nicht mehr richtig warm, dafür stiegen der Energiebedarf und die Kosten enorm an. „Ich dachte mir: Das kann doch nicht sein, dass ich für weniger Wärme mehr zahlen muss. Und ich hatte noch die Versprechungen des Vertreters der Stadtwärme im Ohr“, erklärt Dr. Kolbitsch.  Etliche Besuche und Gutachten später war das Haus zwar wärmer (wenn auch nicht mehr so warm wie früher mit der Ölheizung), doch Dr. Kolbitsch hatte genug von der Fernwärme und wollte wieder auf eine persönliche Ölheizung umsteigen. „Ich will beim Heizen einfach der Herr im eigenen Haus sein und selbst entscheiden, wann und wie warm es sein soll. Zuerst hat man mir auch angeboten, aus dem Vertrag auszusteigen. Als ich dann damit ernst machen wollte, stieß ich plötzlich auf taube Ohren. In einem Rechtsstaat kann es doch nicht sein, dass ein kommunaler Betrieb zuerst mit fragwürdigen Kostenvergleichen Kunden keilt, dann aufgrund der erdrückenden Faktenlage einen Ausstieg zusagen muss und sich schließlich darauf zurückziehen kann, dass man es nun doch wieder anders sieht. Kein Wunder, dass im Urteil für das Verhalten der Stastwärme Lienz des eindeutige Worte gefunden werden“, gibt sich Dr. Kolbitsch kämpferisch.

Und tatsächlich: Seiner Klage gegen die Stadtwärme Lienz wurde in 1. Instanz recht gegeben: Der Fernwärme-Betreiber wurde zur Zahlung von EUR 8.780,18 verdonnert – damit sich Dr. Kolbitsch eine Ölheizung einbauen lassen kann. „Die funktioniert nämlich und machts mir günstiger warm, als wenn ich von irgendeinem Heizwerk abhängig bin.“

Nach den heftigen Empörungen rund um die drastischen und völlig überraschenden Preiserhöhungen bei der Stadtwärme Lienz ist dies ein weiterer unangenehmer Fall, der die Wahrheit hinter der schönen heilen Fernwärme-Fassade mehr als deutlich aufzeigt – und jedem, der sich unverbindlich für Fernwärme interessiert, zu denken geben sollte. Unbeeindruckt zeigt sich die Fernwärme Lienz und spricht weiterhin von durchwegs zufriedenen Kunden.